Jüngere aufgeschlossener für grünes Geld


Finanzen und Wirtschaft

Spätestens, seit die Aktivisten von Fridays for Future lautstark darauf hinweisen, dass beim Klima die Uhr auf fünf vor zwölf steht, hat die Diskussion über ressourcensparendes Wirtschaften und Verhalten an Fahrt aufgenommen. Daran wird Corona-Pandemie nichts ändern, auch wenn sie derzeit die Schlagzeilen dominiert.

Nachhaltige Geldanlage

So wie Schüler und Studenten die Klima-Diskussion auf Trab bringen, könnten sie auch auf einem ganz anderen Spielfeld für Fortschritt sorgen: bei den nachhaltigen Geldanlagen. Die großen Mitspieler an den Kapitalmärkten wie Stiftungen, Pensionskassen oder kirchliche Investoren haben sie längst entdeckt und achten darauf, ob die Unternehmen, deren Aktien sie kaufen, die Umwelt schonen, soziale Standards einhalten und Governance walten lassen. Bei den privaten Anlegern ist das noch nicht in gleichem Maße angekommen. Unter ihnen mangelt es noch an Verständnis und Bereitschaft für diese besondere Assetklasse. Aber es besteht Hoffnung.

Nachhaltige Geldanlagen erfahren künftig mit großer Wahrscheinlichkeit vor allem durch die jüngere Generation eine größere Verbreitung auch unter den privaten Investoren. Sie zeigt das mit Abstand größte Interesse an Anlageprodukten, die an den Faktoren Umwelt, Soziales und Unternehmensführung ausgerichtet sind. Das ergab eine Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA).  Sie beruhte auf einer Umfrage unter mehr als 3.000 Personen ab 16 Jahren. Auf die Frage, ob bei neuen Kapitalanlagen, die in den kommenden zwölf Monaten geplant sind, Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt werden sollen, antworteten in der Gruppe der 16- bis 25-Jährigen mit 47 Prozent doppelt so viele Befragte wie in den beiden ältesten Alterskohorten. Je jünger die Befragten, desto höher fiel die Bereitschaft aus, auf „grünes Geld“ zu setzen.



Grünes Geld

Zweifelsohne verfügen 16- bis 25-Jährige über deutlich weniger finanziellen Spielraum für die Kapitalanlage als Ältere. Jüngere könnten aber zum Beispiel über das regelmäßige Sparen mit kleineren Beträgen in die nachhaltige Kapitalanlage „hineinwachsen“. Es hängt allerdings von den Anbietern solcher Anlageprodukte ab, ob und inwieweit junge Menschen nachhaltige Investments vornehmen. Dazu gehören neben einer passenden Ansprache der jungen Generation auch einfach einzurichtende Sparverträge und vor allem eine klare und zweifelsfreie Kennzeichnung als nachhaltige Anlagen. Einfach ein grünes Etikett auf schon vorhandene Investmentfonds zu kleben, das wird nicht funktionieren. Diese Schlussfolgerung geht ebenfalls aus der Umfrage hervor, die INSA Consulere im Auftrag des DIA durchgeführt hat.



Bislang sind nämlich Missverständnisse, Vorurteile und Misstrauen gegenüber nachhaltigen Kapitalanlagen unter den privaten Anlegern noch weit verbreitet. 21 Prozent gaben in der Befragung an, sie hätten bislang die Finger davongelassen, weil es nur eine mangelhafte Kontrolle des nachhaltigen Wirtschaftens von Unternehmen gibt. Der Anteil, der vor allem bloßes “Greenwashing” befürchtet, ist mit 20 Prozent annähernd gleich groß. Vor allem Jüngere schätzen die Gefahr des Greenwashings als erheblich ein. 28,3 Prozent in der Altersgruppe der 16- bis 25-Jährigen haben in der Vergangenheit keine nachhaltigen Kapitalanlagen vorgenommen, weil sie darin nur den Trend zu einer anderen Art von Marketing sehen.

Wenn jedoch Anlageprodukte zweifelsfrei als nachhaltige Investments zu erkennen sind, würden sich 45 Prozent aller Befragten dafür entscheiden. Eine solche zweifelsfreie Kennzeichnung ist vor allem den Jüngeren wichtig. In den Altersgruppen bis 35 Jahre nannten 52 bis 58 Prozent eine solche Kennzeichnung als ausschlaggebend für den Erwerb dieser Kapitalanlagen.

New Green Deal

In den nächsten Jahren könnte also Bewegung im Markt der grünen Geldanlagen entstehen. Zumal es auch Druck aus Richtung der Europäischen Union gibt. Im Rahmen des New Green Deal ändert sich nämlich auch die Beratung durch Banken und Finanzvermittler. Diese müssen künftig am Anfang eines Gespräches nicht nur in Erfahrung bringen, welche Vorstellung ihr Gegenüber zu Rendite und Risiko hat, sondern zugleich die Präferenzen zum Kriterium „Nachhaltigkeit“ abfragen. Das haben sie in der Vergangenheit sträflich vernachlässigt. 77 Prozent der Befragten in der DIA-Erhebung kannten keinerlei Ansprechpartner für nachhaltige Geldanlagen. Das Thema hatte offenkundig noch nie eine Rolle gespielt. Das wird sich ändern.

Autor: Klaus Morgenstern, Sprecher des Deutschen Instituts für Altersvorsorge GmbH