Warum ist der Rote Faden so wichtig?


Warum ist der Rote Faden so wichtig?
Ein Text ohne Roten Faden kann durchaus unterhaltsam sein. Allerdings ist mindestens der Lesefluss gestört, weil der Leser die Gedankensprünge des Verfassers nicht nachvollziehen kann. Das heißt, es kommt zu einem Bruch des Verständnisses für die Aussagen im Text. Bei wissenschaftlichen Texten ist das fatal. Ganz besonders, wenn der Leser die Arbeit bewerten soll. Deshalb ist akribisches Arbeiten so wichtig und die Erkenntnis, dass jedes Abschweifen, und sei es noch so spannend, den Leser in eine Sackgasse führt, und damit weg von der Beantwortung der Forschungsfrage. Und sie ist, es, die der Leser behandelt sehen will. Die Sprache spielt dabei keine Rolle. Ob Deutsch oder Englisch, der Rote Faden ist maßgeblich. 


Wie den roten Faden halten?

Um den Roten Faden nicht zu verlieren, müssen sich Studierende bewusst machen, wo genau er beginnt und wo er endet. Wer sich sinnbildlich vorstellt, wie sich der Rote Faden durch die Arbeit zieht, behält leichter den Überblick. Folgende Checkliste hilft: 
  1. Ist diese Aussage relevant
  2. Ist dieser Abschnitt notwendig
  3. Wenn ich kurz abschweife, darf das nur kurz der Fall sein
  4. Sind meine Erkläransätze lang genug und kurz genug
Der Rote Faden nimmt seinen Anfang bei der Forschungsfrage. Er knüpft hier quasi an und endet beim Fazit und im Schlusssatz. Dazwischen ist er straff gespannt. In der bildlichen Überlegung gibt es keine Knoten und auch keine durchhängenden Stellen. Der Rote Faden führt direkt zum Ergebnis.


Präzise zu formulieren, hilft beim Strukturaufbau

Zum wissenschaftlichen Arbeiten gehört, jeden Satz präzise zu formulieren. Erklärungen sind erlaubt und oft auch wichtig. Unnötige Füllwörter hingegen sind zu streichen. Wer sich klar ausdrückt, schützt den Roten Faden in seinem Text. Deshalb ist die Gliederung vor dem eigentlichen Arbeiten so wichtig. Sie hilft, die klare Struktur zu formulieren und führt den Verfasser sicher durch die gesamte Arbeit, ohne dass der Rote Faden abreißt. Dabei funktioniert der Gedanke des Roten Fadens auf mehreren Ebenen der wissenschaftlichen Arbeit: 
  • Formaler Aufbau
  • Sprachliche Struktur
  • Inhalt
Der formale Aufbau darf sich nicht etwa während der Arbeit verändern. Er muss gemäß Prüfungsordnung gewählt und dann beibehalten werden. Das gilt auch für die Zitierweise. Fehler sind Folge von Nachlässigkeiten, vor allem aber ein Hinweis darauf, dass der Verfasser die Texte nach dem Fertigstellen nicht gründlich gegengelesen hat. Das gilt auch für die sprachliche Struktur. Je nach verwendeter Literatur kann sich der Sprachstil des Verfassers ändern. Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich Studierende die Terminologie von namhaften Autoren unbewusst aneignen. Das führt zu einem Bruch im Stil. Das fällt den Studierenden selbst nicht unbedingt auf, selbst wenn sie die Arbeit vor Abgabe noch einmal gründlich lesen. Einem unbedarften Testleser wird das aber sicher bewusst werden. Deshalb ist das Gegenlesen wichtig. So kann der Absolvent die sprachliche Struktur noch vor Abgabe wieder vereinheitlichen. Der Rote Faden beim Inhalt ist die Folge von ausschweifenden Textstellen, die nichts mit der zentralen Frage zu tun haben.  


Roten Faden halten lässt sich trainieren

Wer einmal in der Schulzeit einen schönen Aufsatz verfasst hat, der dann aber mit dem Hinweis „Thema verfehlt“, schlecht benotet wurde, hat die schlechte Note dafür erhalten, dass es keinen Roten Faden gab. Der Text passte nicht nur Aufgabe oder der Rote Faden ist mittendrin abgerissen. Es gibt Studierende, denen passiert so etwas nie. Andere sind deutlich mehr gefährdet. Wer dieses Problem an sich feststellt, sollte das Festhalten am Roten Faden trainieren. Bei Konzentrationsproblemen genügt es, in Gedanken – oder auch laut – ein Vorstellungsgespräch zu führen. Bei vielen Vorstellungsgesprächen wird der Bewerber spontan gebeten, spontan einen Vortrag zu halten. Ein Stichwort muss dann reichen für eine Rede mit einer Dauer von etwa 10 Minute. Wer hier den Roten Faden nicht halten kann, scheitert. Solche Übungen eignen sich auch für Arbeitsgruppen und sind vor allem in der Wiederholung ein hervorragendes Training. 

Es kann aber auch helfen, kleine Geschichten zu schreiben und sie dann auf ihre Schlüssigkeit zu prüfen. Das müssen keine literarischen Meisterwerke sein, sie dienen ausschließlich der Übung. Sehr gut geeignet sind Detektivgeschichten. Das Schreiben einer Detektivgeschichte funktioniert niemals, wenn der Rote Faden abreißt. Selbst Studierende, die hiermit Probleme haben, erkennen ihren Fehler und auch den Moment, in dem der Fehler passiert. Reißt der Rote Faden ab, können sie das Rätsel nicht auflösen. Die Geschichten sollten zu Beginn kurz sein und später länger werden. Mit der Zeit entwickelt jeder ein Gespür für den Roten Faden. Davon profitiert die wissenschaftliche Abschlussarbeit erheblich, die stark vereinfacht nicht viel anders ist, als eine anspruchsvolle Detektivgeschichte.

Die Checkliste zum Abschluss

Ist die Arbeit logisch und schlüssig? Stimmt die Biografie in der Einleitung? Ist die Beantwortung aller Fragen abgeschlossen? Können Verfasser und Testleser das zum Ende der Arbeit bejahen, ist der Rote Faden nicht abgerissen. 
Es kann aber auch sein, dass der Rote Faden mitten in der Arbeit etwas „blass“ ist. Das bedeutet, Anfang und Ende stimmen, in der Mitte wird der Verfasser aber ungenau. Das passiert, wenn der Studierende zwar richtig denkt, dann aber vergisst, seine Gedanken auch auszuformulieren. Ein besonderes Risiko besteht, bei Gedanken, die als falsch wieder verworfen werden. Aus diesen falschen Gedanken resultieren Erkenntnisse, die für die Bachelorarbeit wichtig sein können. Der Leser denkt sonst, der Verfasser sei zufällig zum richtigen Ergebnis gekommen und nicht etwa, weil er andere Theorien begründet ausschließen konnte. Diese Fehler passieren vor allem Studierenden, die besondere Sorge haben, den Roten Faden abreißen zu lassen. Sie streichen dazu zu viel aus ihrer Arbeit. Hier helfen Testleser, die den Verfasser auf die Argumentationslücke aufmerksam machen.