Wie schreibt man eine Quelleninterpretation?


Seitenansicht und Nahaufnahme von Frauenhänden mit Laptop und Notizblock

Ob in Uni oder Fachhochschule, der fundierte, wissenschaftliche Umgang mit externen Quellen gehört für die meisten Studierenden zum Studium dazu. Nicht nur müssen diese korrekt zitiert werden, auch Quellenkritik und die Quelleninterpretation sind wichtige Kompetenzen, die sich Studenten jedes Studienganges aneignen sollten.

 

Was ist eine Quelleninterpretation?

Bei der Quelleninterpretation handelt es sich um die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der jeweiligen Quelle. Nicht nur literarische Quellen können interpretiert werden, insbesondere in der Geschichte oder der Kunst können auch Gegenstände eine Quelle darstellen. Quellen dienen in diesem Zusammenhang immer der wissenschaftlichen und historischen Forschung. Einer Quelleninterpretation geht in der Regel eine umfassende Analyse der Quelle voraus.
 

Die klassische Einteilung der Quellen

Quellen unterscheiden sich in ihrer Art. Die klassische Einteilung von Quellen in Überreste und Tradition von Ernst Bernheim findet heute noch immer Anwendung. Als Überreste bezeichnet man nach dieser Einteilung diejenigen Quellen, die unmittelbar von historischen Geschehnissen übrig geblieben sind. Das können beispielsweise Gegenstände bzw. Sachüberreste wie Knochen, Bauwerke oder Kunstwerke sein, abstrakte Überreste wie Gesetze, Bräuche oder Sprachen oder auch schriftliche Überreste geschäftlicher oder privater Natur.

Als Tradition hingegen werden diejenigen Quellen bezeichnet, die explizit zum Zweck historischer Überlieferung geschaffen wurden. Neben mündlichen Überlieferungen in Sagen, Erzählungen oder Liedern vor allem auch Annalen, Biografien, Chroniken, Memoiren und ähnliche Quellen. Darüber hinaus werden Quellen in Primär- und Sekundärquellen eingeteilt.
 

Primärquellen

Primärquellen sind immer direkt auf den Forschungsgegenstand gerichtet. Wer beispielsweise eine Bachelorarbeit über Hermann Hesse schreibt, der kann alle literarischen Werke als Primärquellen heranziehen. Handelt die Arbeit hingegen etwa über juristische Problemstellungen, stellen Gesetzestexte Primärquellen dar. Statistische Daten, Kunstgegenstände oder Archivgut können je nach Kontext ebenfalls als Primärquellen dienen.
 

Sekundärquellen

Als Sekundärquellen werden wissenschaftliche Arbeiten bezeichnet, die über den jeweiligen Forschungsgegenstand verfasst wurden. Diese können entweder genau die Fragestellung behandeln, der im Rahmen einer Bachelor- oder Masterarbeit nachgegangen wird oder das jeweilige Thema nur nebensächlich behandeln. Eine Sekundärquelle soll immer eine Begründung für bestimmte Sachverhalte liefern, dazu muss sie interpretiert, verglichen und sich kritisch mit ihr auseinandergesetzt werden.
 

Wo liegen die Unterschiede?

Primärquellen sind zunächst einmal nur Informationen über einen bestimmten Sachverhalt aus erster Hand. Sekundärquellen hingegen beschreiben, analysieren und interpretieren Primärquellen und stellen somit Informationen aus zweiter Hand dar. Beispiel:

Primärquelle: Roman
Sekundärquelle: Eine Besprechung oder Kritik dieses Romans

Primärquelle: Tagebucheinträge oder ein Brief / Briefe einer historischen Person
Sekundärquelle: Eine Biografie über diese Person

Primärquelle: Wissenschaftliche Studie
Sekundärquelle: Ein Fachartikel oder Forschungsliteratur in welchem die Studie erwähnt wird

Primärquelle: Gemälde / Bild
Sekundärquelle: Eine Interpretation dieses Gemäldes

 

Vorgehensweise bei der Interpretation einer Quelle in der wissenschaftlichen Arbeit

Insgesamt lassen sich fünf konkrete Schritte für den Aufbau einer Quelleninterpretation festhalten. Die Quelleninterpretation stellt dabei immer den Hauptteil der wissenschaftlichen Arbeit dar.
 

Fragestellung finden

Zunächst gilt es also eine konkrete Umfrage oder Leitfrage zu finden, ohne diese Leitfrage bleibt die jeweilige Quelle nur ein Text oder ein Gegenstand.
 

Welchen Wert hat die Quelle?

Der sogenannte Quellenwert ist wichtig, um die Quelle in den jeweiligen Kontext einzuordnen. Dazu gilt es zu klären, wer der Autor oder Macher der Quelle ist, woher er kommt, welchen gesellschaftlichen Status dieser hatte etc. Es ist von enormer Bedeutung jeweils zu verstehen, wer die Quelle verfasst hat und welchen Blickwinkel dieser eingenommen hat. Dabei sollte man berücksichtigen, dass nur die wenigsten Quellen komplett objektiv sind. Die Absicht des jeweiligen Verfassers oder Erschaffers spielt eine entscheidende Rolle.
 

Quelleninhalt herausstellen

Den eigentlichen Inhalt der Quelle gilt es im nächsten Schritt herauszustellen. Dazu bietet es sich an die jeweilige Quelle gut zu strukturieren. Man kann eine Quelle nach ihren Argumenten, der inneren Gliederung, Themen oder einzelnen Sinnabschnitten einteilen.
 

Parallelquellen und Sekundärquellen heranziehen

Nun geht es darum, weitere Quellen in Form von Parallelquellen und Sekundärquellen heranzuziehen. Parallelquellen, also vergleichbare Quellen, dienen dazu, die Aussage der Quelle einzuordnen und sie auf ihren Wahrheitsgehalt zu untersuchen. Sekundärquellen geben darüber hinaus Aufschluss über den Stand der Forschung zu einer bestimmten Quelle. Sie helfen dabei die Primärquelle in einen bestimmten einzuordnen.
 

Quelle interpretieren

Im letzten Schritt gilt es die Quelle zu interpretieren. Hierzu wird die Fragestellung mit der Quelle zusammengebracht und geprüft, inwiefern man die Frage anhand der Quelle beantworten kann. Es kann durchaus vorkommen, dass die Fragestellung nicht beantwortet werden kann oder man feststellt, dass die Fragestellung konkretisiert werden muss. In solchen Fällen wird die Fragestellung anhand der gewonnenen Erkenntnisse konkretisiert und eventuell in einer späteren Arbeit wieder aufgegriffen.
 

Zusammenfassung

Insbesondere Historiker sind auf zuverlässige Quellen angewiesen, da es oft keine Zeitzeugen mehr gibt. Doch auch in anderen Fachrichtungen sind Quellen oft wichtiger Bestandteil der Forschung. Mit dem Wissen um die Einteilung von Quellen in Überreste und Tradition, Primär- und Sekundärquellen sowie die Einordnung dieser Quellen in den jeweiligen Kontext, ist es kein Hexenwerk mit einer guten Fragestellung eine hilfreiche Quelleninterpretation zu schreiben.